Als Student im Diplomstudiengang Medien-Informatik an der Uni Ulm ist es Bestandteil des Hauptstudiums, ein Anwendungsfach aus den Teilgebieten der Medien-Informatik zu belegen. Hierbei stehen unter anderem Vertiefungsrichtungen wie Computergrafik, Computer Vision, Ubiquitous Computing, Medienpädagogik, Interaktive Systeme, Interaktives Video oder Mensch-Maschine Dialogsysteme zur Auswahl.
Meine Wahl hierbei fiel auf Ubiquitous Computing – dem Trend hin zum allgegenwärtigen Computer oder dem „Internet der Dinge“. Ob als intelligenter Kühlschrank, im vernetzten Auto oder in Form von intelligenten Smartphones, der Computer und mit ihm oft auch das Internet werden immer omnipräsenter. Das Anwendungsfach besteht einerseits aus den Vorlesungen Multimediasysteme und Mobile & Ubiquitous Computing, und andererseits aus einer wissenschaftlichen Projektarbeit über zwei Semester in Kleingruppen.
Derzeit arbeiten Stefan, Cookie und ich an einer
Idee von Stefan, aus der nun unser Projekt entsprungen ist: Einerseits erlaubt der technologische Fortschritt performante mobile Internetzugänge und eine fast ubiquitäre Vernetzung. Auf der anderen Seite ist qualitatives und verteiltes Dokumentieren von Ereignissen unter echtzeitnahen Bedingungen bisher nicht ohne weiteres möglich. Genau hier setzt unser Projekt,
diretto (ital.: direkt, aus erster Hand) an.
Zunächst
versuchen wir im Rahmen des Projekts die Vorgänge und Merkmale verteilter Berichterstattung auf eine allgemeine und offene Schnittstelle zu abstrahieren. Anschließend werden wir Referenzimplementierungen verschiedener Dienste bereitstellen, die darauf aufbauen. Das beinhaltet sehr unterschiedliche Teilaspekte, wie die Aufnahme und Erstellung von Beiträgen in verschiedenen Formen wie Bild, Text, Audio oder Video, aber auch die Verteilung, Speicherung und Aufarbeitung solcher Daten zu nützlichen Informationen.
Unser geplantes System ist an keinen festen Anwendungszweck gebunden und soll in verschiedensten Szenarien eingesetzt werden können. Ein möglicher Bereich ist der Katastrophenschutz. Hier ist es besonders wichtig, bei großflächigen Einsätzen nach Unfällen oder Naturkatastrophen zunächst Ordnung ins Chaos zu bringen. Das bedeutet vor allem Sammeln, Filtern und Bewerten eintreffender Daten und das Erstellen von Bestandsaufnahmen. Eine verteilte, mobile Anwendung hierfür ist genauso interessant wie die Möglichkeit, einen Teil der Aufgaben wie das Bewerten auch entfernt durchführen zu können. Ein anderes Szenario wäre ein Live-Bericht eines öffentlichen Großereignisses. So könnte mithilfe eines solchen Systems zum Beispiel ein Fahrradrennen übertragen werden, in dem die Beiträge verschiedener Zuschauer an verschiedenen Stellen der Strecke digital und echtzeitnah gesammelt werden und über das Internet Interessierten zugreifbar gemacht werden. Ein weiteres mögliches Einsatzszenario ist die Dokumentation von Veranstaltungen wie Demonstrationen. Nicht zuletzt die Ereignisse der
Freiheit-statt-Angst Demonstration in Berlin haben gezeigt, wie wichtig eine entsprechende Dokumentation sein kann.
Während sich Stefan sich zunächst seiner ursprünglichen Idee widmen wird, mithilfe eines mobilen Computers
im Rucksack Fotojournalismus auch unter widrigen Umständen durchführen zu können, wird sich Cookie anfangs um die Integration eines Smartphones kümmern. Ich werde mich hauptsächlich mit den technischen Aspekten der API und vor allem der serverseitigen Speicherung der Daten beschäftigen, was ich mir aufgrund meines Interesses an verteilten Systemen entsprechend ausgesucht habe. Da die genannten Szenarien Anforderungen an das System in Bezug auf Phasen hoher Nutzungsintensität und Verfügbarkeit stellt, muss ein solches System vor allem gut skalieren und ausfallsicher designt sein. Dann wird es für uns als nächstes darum gehen, weitere Aspekte zu implementieren und vor allem das System unter echten Bedingungen zu testen.
Aktuelle Informationen zum Projekt und dessen Verlauf gibt es übrigens auf unserer Projektseite unter
diretto.org.